Ein Baukasten ist wie eine möblierte Mietwohnung. Sie können sofort einziehen, alles ist da, und wenn Sie ausziehen, bleibt das Sofa stehen. Das ist kein Skandal, sondern das Geschäftsmodell. Nur sollte man es kennen, bevor man drei Jahre Inhalte hineinstellt.
Dieser Artikel rechnet beides durch: die Monatsgebühren, die Fünf-Jahres-Summe und die Kosten, die erst beim Umzug entstehen. Und er benennt die Fälle, in denen ein Baukasten die vernünftigere Wahl ist, obwohl ich individuelle Websites baue.

Was kostet ein Website-Baukasten im Monat?
Die Anbieter staffeln ihre Tarife nach Funktionen, und die Listenpreise ändern sich regelmäßig. Die folgende Übersicht zeigt die Größenordnung bei Jahreszahlung. Bei monatlicher Zahlung liegen die Preise durchweg höher, und der Einstiegstarif reicht bei den meisten Anbietern für ein Unternehmen nicht aus, weil Funktionen wie eigene Formulare, mehr Speicher oder Shop erst in höheren Stufen enthalten sind.
| Anbieter | Einstieg | Business-Tarif | Fünf Jahre im Business-Tarif |
|---|---|---|---|
| Wix | etwa 13 bis 17 Euro im Monat | etwa 26 bis 46 Euro im Monat | rund 1.500 bis 2.700 Euro |
| Jimdo | etwa 11 Euro im Monat | etwa 17 bis 49 Euro im Monat | rund 1.000 bis 2.900 Euro |
| Squarespace | etwa 12 Euro im Monat | etwa 18 bis 69 Euro im Monat | rund 1.100 bis 4.100 Euro |
| Shopify (für Shops) | etwa 25 Euro im Monat | etwa 66 bis 289 Euro im Monat | rund 4.000 bis 17.000 Euro |
| Eigene Website | 2.900 Euro einmalig, Betrieb etwa 10 bis 15 Euro im Monat | rund 3.500 bis 3.800 Euro | |
Über fünf Jahre gerechnet liegt eine individuelle Website also im Bereich eines mittleren Baukasten-Tarifs. Der Unterschied ist nicht der Preis, sondern was am Ende der fünf Jahre Ihnen gehört. Mehr zu den Posten, die in beiden Fällen dazukommen, steht im Kostenguide zu Webdesign.
Kann ich meine Baukasten-Website später umziehen?
Hier trennen sich Marketingversprechen und Technik. Wix schreibt in seinem Hilfebereich deutlich, dass eine Wix-Website nicht anderswo gehostet werden kann, weil sie auf der eigenen Infrastruktur laufen muss. Exportieren lassen sich Daten: Medien, CMS-Sammlungen, Produktlisten, Übersetzungen, jeweils als CSV. Die Website selbst, also Layout, Code und Struktur, bleibt bei Wix.
Squarespace erlaubt einen Export als XML-Datei, im Wesentlichen für den Import nach WordPress. Nicht enthalten sind Layout-Stile, eigenes CSS, Video- und Audioblöcke sowie interaktive Elemente. Sie nehmen also Texte mit und bauen das Aussehen neu.
Die Domain ist dagegen unproblematisch. Der Auth-Code für den Transfer ist bei allen Anbietern kostenlos, beim neuen Registrar fallen nur die üblichen Jahresgebühren an, bei einer .de-Domain etwa 5 bis 15 Euro. Wer also von einem Baukasten wegzieht, verliert nicht die Adresse, sondern die Bauleistung. Das ist der eigentliche Preis, und er fällt genau dann an, wenn Sie ihn am wenigsten brauchen: beim Wachstum.
Sind Baukasten-Websites schlecht für SEO?
Google sagt zwei Dinge, die man zusammen lesen muss. Erstens: Die Wahl des Systems ist kein Ranking-Faktor, bewertet wird das ausgelieferte Ergebnis. Zweitens: Die Core Web Vitals sind Teil der Page-Experience-Signale. Das heißt, es ist Google gleichgültig, ob Ihre Seite aus einem Baukasten kommt, nicht gleichgültig ist ihm, wie schnell sie ist.
Wie gut die Plattformen dabei abschneiden, muss man nicht glauben, man kann es nachsehen. Der Core Web Vitals Technology Report des HTTP Archive zeigt für jede Plattform, welcher Anteil der Websites die Schwellenwerte auf Mobilgeräten besteht. Zwei Beobachtungen daraus sind stabil: Gehostete Baukästen liegen im Mittelfeld bis oberen Bereich, weil die Infrastruktur standardisiert ist. Selbst gehostete WordPress-Installationen streuen extrem, weil billiges Shared Hosting und überladene Seitenbaukästen alles zunichte machen können, was ein gutes Theme aufbaut.
Für Sie heißt das: Der Vergleich lautet nicht Baukasten gegen individuell, sondern schlecht umgesetzt gegen gut umgesetzt. Eine schnelle Wix-Seite schlägt eine langsame Eigenentwicklung. Warum das direkt Geld kostet, steht im Artikel Warum langsame Websites Kunden kosten.
Wo Baukästen im Alltag an Grenzen stoßen
- Struktur: Eigene Seiten je Leistung, Stadtteil oder Zielgruppe sind machbar, werden aber schnell unübersichtlich. Wer 20 Landingpages pflegen will, kämpft mit dem Editor statt mit dem Markt.
- Datenschutz: Externe Skripte, Schriften und Video-Einbettungen sind oft voreingestellt. Selbst hosten ist auf vielen Plattformen nicht vorgesehen, und genau daran hängen die üblichen Abmahnthemen.
- Schnittstellen: Anbindungen an Warenwirtschaft, Buchungssysteme, Maklersoftware oder ein Praxis-Terminsystem sind entweder vorhanden oder eben nicht. Ein Zwischenweg existiert selten.
- Ladezeit im Detail: Sie können Bilder optimieren, aber nicht entscheiden, welches JavaScript geladen wird. Die letzten 20 Punkte im PageSpeed-Test sind auf einer Plattform meist nicht erreichbar.
- Strukturierte Daten: Eigene Auszeichnungen für Leistungen, Öffnungszeiten, Speisekarten oder Angebote gehen nur so weit, wie der Anbieter sie vorsieht. Für Sichtbarkeit in KI-Antworten ist genau das der Hebel, siehe AI SEO.
Wann ist ein Baukasten die richtige Wahl?
Es gibt diese Fälle, und es wäre unredlich, sie zu verschweigen:
- Sie testen eine Geschäftsidee und brauchen in drei Tagen eine Seite, die existiert.
- Ihr Budget liegt insgesamt unter 1.000 Euro und Sie haben Zeit, selbst zu bauen.
- Sie gewinnen Kunden über Empfehlung oder Instagram und brauchen keine Suchsichtbarkeit.
- Ihr Verein oder Ihr Nebenprojekt braucht eine Visitenkarte, kein Vertriebsinstrument.
- Sie betreiben einen Shop mit überschaubarem Sortiment. Für Shops sind Plattformen oft die richtige Antwort, siehe dieses Shopify-Projekt und die E-Commerce-Seite.
Die Grenze verläuft dort, wo die Website Umsatz erzeugen soll. Sobald Anfragen, Buchungen oder Bestellungen daran hängen, zählt jede Sekunde Ladezeit und jede Struktur-Entscheidung. Dann wird aus dem gesparten Anfangsbudget schnell eine laufende Ausgabe.
Ein Beispiel für den Unterschied
Ein Baukasten liefert Ihnen ein sehr solides Standard-Ergebnis. Er liefert Ihnen nicht die besondere Anmutung, die ein Betrieb manchmal braucht, um sich von 30 Wettbewerbern zu lösen. Bei Glücksmomente Events war genau das der Punkt: Aquarell-Ästhetik, eigene Scroll-Animationen, ein Auftritt, den man wiedererkennt. Solche Projekte kommen aus keinem Baukasten, weil ein Baukasten dafür gebaut ist, dass tausend Betriebe dieselbe Grundlage nutzen.
Umgekehrt kenne ich Betriebe, die mit einer sauber gepflegten Jimdo-Seite und einem gut gepflegten Google-Unternehmensprofil mehr Anfragen bekommen als Wettbewerber mit teurer Agenturseite. Weil die Öffnungszeiten stimmen, die Telefonnummer klickbar ist und jemand auf Bewertungen antwortet.
Wenn Sie wechseln wollen: die Reihenfolge
- Inhalte sichern. Texte, Bilder, Kontaktdaten, Produktlisten exportieren, solange der Zugang aktiv ist.
- URL-Liste ziehen. Alle bestehenden Adressen erfassen, denn jede davon braucht später eine Weiterleitung.
- Rankings dokumentieren. Search Console und Analytics exportieren, damit Sie nach dem Wechsel vergleichen können.
- Neu bauen, nicht kopieren. Struktur an Suchintention und Anfragen ausrichten statt Seite für Seite nachzubilden.
- Weiterleitungen setzen. Alte Adressen per 301 auf die neuen. Der häufigste Fehler beim Wechsel, mit den größten Folgen.
- Domain umziehen. Auth-Code holen, Domain auf Ihren Namen beim neuen Registrar.
Die vollständige Liste mit allen Fallen steht in der Relaunch-Checkliste. Wer Schritt fünf überspringt, verliert Sichtbarkeit, die vorher da war, und das fällt erst vier Wochen später auf.
Fazit
Baukästen sind gut geworden. Sie sind schnell, günstig im Einstieg und für viele Zwecke völlig ausreichend. Sie sind ein Mietverhältnis: bequem, solange Sie bleiben, unangenehm beim Auszug. Eine individuelle Website ist teurer im ersten Jahr und günstiger im dritten, wenn die Seite Anfragen bringen muss.
Wenn Sie unsicher sind, in welche Kategorie Ihr Vorhaben fällt: Schicken Sie mir den Link zu Ihrer aktuellen Seite. Ich sage Ihnen kostenlos, ob ein Wechsel sich rechnet oder ob Sie mit zwei Nachmittagen Pflege besser fahren. Zum Kontakt oder zur Leistungsseite Webdesign.
Wenn der Baukasten für Sie ausfällt, geht es weiter mit der Systemfrage: Der Überblick über alle Kandidaten steht in WordPress-Alternativen, der direkte Zweikampf in Webflow oder WordPress. Und beachten Sie bei jedem Baukasten, wie weit er Sie an das HTML heranlässt, denn davon hängt ab, ob Sie die Anforderungen aus dem BFSG überhaupt erfüllen können.
Quellen
- Wix Help Center, Exportieren oder Einbetten einer Wix-Website an anderer Stelle: Wix-Websites müssen auf der Wix-Infrastruktur laufen, exportierbar sind nur Daten wie Medien, CMS-Sammlungen und Produktlisten. support.wix.com
- Squarespace Hilfe-Center, Website exportieren: XML-Export ohne Layout-Stile, eigenes CSS und interaktive Elemente. support.squarespace.com
- HTTP Archive, Core Web Vitals Technology Report: Anteil der Websites je Plattform, die die Schwellenwerte bestehen. httparchive.org
- Google Search Central, Page Experience in der Google Suche: Core Web Vitals als Teil der Page-Experience-Signale. developers.google.com
- Listenpreise der Anbieter, Stand August 2026: Wix, Jimdo, Squarespace, Shopify.

